Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon dorenbur » Fr 2. Okt 2009, 14:48

Ich trage mich derzeit mit dem Gedanken eine BU abzuschließen. Da ich bald mit meinem Studium fertig bin und bis jetzt nur eine private Haftpflicht vorweisen kann, wollte ich mich mit diesem Thema zeitnah befassen. Von Bekannten habe ich gehört, dass es sehr wichtig ist seine Arbeitskraft abzusichern. Ist diese Vorgehensweise sinnvoll oder eignen sich andere Versicherungen eher als eine BU. Leider habe ich zu diesem Thema wenig verständliche Informationen gefunden. Im Internet wird man ja überhäuft mit Angeboten und spärlichen Informationen. Wenn ich mir einen Versicherungsmakler nach Hause kommen lassen würde, würde ich wahrscheinlich nur eine einseitige Betrachtung des Themas bekommen und am Schluss winkt er dann mit dem Kugelschreiber. Mich interessieren zumindest erstmal Eckpunkte die man abklopfen sollte, Begriffe mit denen man sich näher auseinander setzen muss und Stolperfallen denen man aus dem Weg gehen muss. Für sachdienliche Hinweise wäre ich euch sehr dankbar.
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon Rosen » Mo 5. Okt 2009, 08:36

Das Thema BU ist sehr umfassend und großflächig. Ich habe ein halbes Jahr benötigt um mich endlich für einen Anbieter zu entscheiden. Auf dem Weg habe ich mich durch viele Regelwerke durchgekämpft. Viele Leute sind mit dieser Aufgabe viel spontaner umgegangen. Sie haben sich einen Versicherer ihres Vertrauens eingeladen, sich eine Stunde lang „beraten“ lassen und am Schluss den Vertrag unterzeichnet. Die abgeschlossenen Verträge waren dann auch gar nicht so schlecht. Doch so oder so kannst du dir im Vorfeld schon einige Dinge durch den Kopf gehen lassen.

1. Laufzeit.
Jeder Versicherer wird dir natürlich die längste Laufzeit anbieten, also Endalter 65. Es gibt aber auch die Möglichkeit die Laufzeit aufzuteilen. Beispiel: Laufzeit bis 55 Zahlungszeitraum im Versicherungsfall bis 65. Das heißt du bist BU versichert bis 55, wenn aber der BU-Fall eintritt (z.B. mit 40 Jahren) bist du bis zum Alter von 65 Jahren versichert. Diese Aufteilung kann Geld sparen.

2. Beitragsrück- oder Risiko-BU
Hier stellt sich die Frage, ob du die eingezahlten Beiträge wieder haben willst oder nicht. Aus meiner Sicht ist eine Risiko-BU vorzuziehen. Die Beiträge die für eine Risiko-BU zu leisten sind, sind viel niedriger. Zugegeben, es ist schon sehr verlockend, am der der Laufzeit einen Teil der Beiträge zurück zu bekommen, doch wie hoch diese sind ist sehr unsicher.

3. Brutto und Nettobeiträge
Dies ist eine sehr wichtige Fragestellung und wird von vielen Versicherungskaufleuten bei dem Beratungsgespräch gekonnt umgangen. Die Beiträge die dir während eines Angebots offeriert werden, sind Beiträge bei den die Gewinnbeteiligung mit eingerechnet ist. Die Versicherer lassen den Kunden an den Gewinnen teil haben, in dem sie ihm günstigere Beiträge anbieten können. Doch für den Fall, dass die Versicherung keine oder weniger Gewinne macht, kann der Beitrag bis zu einer im Versicherungsvertrag genannten Ausgangsbeitrag erhöht werden. Dieser kann auch mal doppelt so hoch sein! Man sollte also bei der Versicherung der Wahl darauf achten, dass sich diese beiden Beiträge nicht unbedingt mehr als 60% unterscheiden.
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon dorenbur » Di 6. Okt 2009, 14:22

Danke für die Informationen. Kannst du mir noch ein paar Dinge zu den Inhalten in den Regelwerken der Versicherungen sagen. Das würde mich sehr interessieren. Ich denke da gibt es einige Sachen die unbedingt zu beachten sind. Gibt es Sachen auf die man besonders achten muss?
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon Rosen » Fr 9. Okt 2009, 09:46

Zu erst mal sollte man eine Sache wissen. Um die Beiträge für die BU zu erfahren, muss mein seinen Beruf (Tätigkeitsbereich) nennen. Also für welche Tätigkeit man derzeit bezahlt wird. Arbeitet man als Maurer oder als Kassierer, als KFZ-Mechatroniker oder Maschinenbauingenieur. Laut dieser Angabe wird man in Berufsgruppen eingeteilt und das beeinflusst die Kosten der Versicherung. Es ist natürlich klar, dass damit die unterschiedliche Wahrscheinlichkeit für den BU-Fall in den verschiedenen Berufsgruppen abgefangen werden soll. Wobei nicht gesagt ist, dass ein Maurer aufgrund seiner körperlich schweren Arbeit für die Versicherung ein höheres Risiko darstellt, wie jemand der in der Logistik arbeitet und bekanntlich einen sehr nervenaufreibenden Job hat. Denn die Zahl der Aufgrund von BurnOut-Syndromen berufsunfähigen Menschen steigt in vielen Bereich rapide an! Es lohnt sich hier auch bei verschiedenen Versicherern anzufragen, in welcher Gruppe man sich befindet, denn hier besteht keine einheitliche Meinung. Gerade in akademischen Berufen kann die Zuordnung zu den Gruppen sehr flexibel gehandhabt werden (also ruhig verhandeln falls man nicht in die kostengünstigste Gruppe eingestuft wird). Da kann man sich natürlich fragen, warum die Versicherungen so locker damit umgehen. Man muss hierbei wissen, dass man im BU-Fall nur für die Ausführung bestimmter Tätigkeiten berufsunfähig sein kann. Also für Tätigkeiten wie sitzen und stehen (Bandscheibenvorfälle), der ausgeführte Beruf ist hier eher unwichtig. Beim eintreten eines vermeintlichen BU-Falles wird mit einem Arzt geklärt, welche Tätigkeiten der Patient nur noch zu wieviel Prozent ausführen kann.

Kleiner Einschub: Bei dieser Frage ist es von Vorteil, wenn der Hausarzt diese Bestimmung machen kann. Das wird bei guten Versicherungen erstmal zugelassen und nur in einigen Fällen noch durch eigene Gutachter kontrolliert.

Der ausführende Arzt muss dann entsprechende Formulare ausfüllen. Hier müssen Angaben zu Tätigkeiten und Einschränkung also Berufsunfähigkeit gemacht werden. Zum Beispiel ist Max Meier für sitzende Tätigkeiten zu 30% BU und für schwer hebende und tragende Tätigkeiten ebenfalls 45%. BU ist man ab 50%, steht so in den meisten Regelwerken. Aber Max Meier der Einzelhandelskaufmann in einem Discounter ist, ist jetzt trotzdem nicht BU?? Denn er muss für EINE Tätigkeit mindestens 50% BU sein, dass steht natürlich nicht so im Regelwerk. Hätte man mit dem Arzt reden können, hätte er doch bestimmt bei der hebenden und tragenden Tätigkeit auch 55% BU notieren können. Was ist der Unterschied zwischen 55% und 45%? Der Unterschied entscheidet erstmal ob der BU-Fall weiter diskutiert werden kann oder gleich abgelehnt ist!!!

Ach ja, wir waren ja beim Thema Verweisung. Wenn man für die Versicherung BU ist, besteht für die Versicherung die Möglichkeit auf andere Tätigkeiten zu verweisen. Hier gibt es zwei unterschiedlich große Spielräume. Zum einen die abstrakte Verweisung, die in dem Regelwerk der Versicherung deiner Wahl auf jeden Fall ausgeschlossen sein muss!! Hier kann der Versicherer auf jede nur erdenkliche Tätigkeit verweisen unabhängig vom Lebensstandard des Versicherten. Also ein Ingenieur kann wegen BurnOut BU und kann von der Versicherung auf eine Pförtnertätigkeit verwiesen werden, obwohl er mit dieser Tätigkeit niemals die Möglichkeit haben wird seinen derzeitigen Verdienst zu bekommen und damit seinen aktuellen Lebensstandard zu halten. Zum anderen gibt es die konkrete Verweisung auf andere Tätigkeiten in Hinblick auf den Ausbildungsgrad und den Lebensstandard. Hier ist wichtig, wieviel Abzug vom Verdienst hingenommen werden muss.

Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen. Aber du siehst schon ungefähr wohin die Reise geht. Noch komplizierter wird es, wenn du Selbstständig bist. Hier kann die Versicherung im BU-Fall eine wirtschaftlich sinnvolle Umstrukturierung deiner Firma vornehmen, wie dass im Einzelfall aussieht kann ich, aufgrund fehlender Erfahrungen, nicht sagen. Ich hoffe ich konnte dir weiter helfen.
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon dorenbur » Fr 9. Okt 2009, 14:41

Hallo Rosen,
das war wirklich eine sehr informative Erklärung. Ich denke damit bin ich gut gerüstet für die ersten Gespräche mit Versicherungsmaklern. Auf jeden Fall haben ich mir vorgenommen, niemals gleich am Tag des Gesprächs einen Vertrag zu unterzeichnen und immer zu sagen „ich melde mich bei ihnen“

Vielen Dank Rosen für die Zeit und die Motivation mir einen Einstieg in dieses Thema zu geben.
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon MaPre » Mi 2. Dez 2009, 13:45

Ergänzend zu der sehr guten Antwort von Rosen können Dir vielleicht noch folgende Hinweise helfen.

Viele Versicherer bieten einem Studenten die BU-Versicherung für die Zeit des Studiums nur mit einer Studentenklausel an, die den Versicherungsschutz auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung reduziert. Solche Angebote sollte man als Student natürlich meiden.

Bei Studenten wird die versicherbare BU-Rente von den meisten Versicherern auf 1.000 € monatlich begrenzt, häufig kann sich ein Student auch finanziell keine noch höhere BU-Rente leisten. Insofern sollte man dann darauf achten, dass man z.B. nach Abschluss des Studiums oder nach Gründung einer Familie die BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen kann.

Neben dem von Rosen bereits angesprochenen Verzicht auf abstrakte Verweisung sollte der Versicherer in seinen Versicherungsbedingungen auch einen verkürzten Prognosezeitraum von 6 Monaten anbieten. Ansonsten müsste man "voraussichtlich auf Dauer" (d.h. also mindestens 3 Jahre) ausserstande sein, seinen Beruf auszuüben, um eine BU-Rente zu erhalten. Scheut sich der Arzt, eine solch langfristige Prognose abzugeben, wäre der Versicherer zu keiner Leistung verpflichtet.

Jeder Versicherer hat seinen eigenen Berufsgruppenkatalog. So kann es vorkommen, dass man z.B. als Agraringenieur von der einen Gesellschaft in die günstige Gruppe "1" und von einer anderen Gesellschaft in die ungünstigere Gruppe "2" eingestuft wird. Deshalb sollte man sich ruhig die Angebote mehrere Gesellschaften anschauen. Eine gute Übersicht hierzu bietet nach meiner Einschätzung der Onlinevergleich auf berufsunfaehigkeitsversicherung-sofort-vergleich.de.
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten

Beitragvon krut-ber » Do 27. Mai 2010, 16:11

@dorenbur: wie hast Du dich entschieden?

Ich selber habe auch ein wenig recherchiert hier
http://www.versicherung-portal-1.de/berufsunfaehigkeitsversicherung/berufsunfaehigkeitsversicherung_student.php fand ich auch den Ansatz mit der günstigeren Prämie als Student interessant, die ja wohl auch später bei Einstieg in das Berufsleben so bleiben soll.

Weiss jemand welche Versicherer das anbieten.
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Re: Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beach

Beitragvon Horst1957 » Fr 5. Apr 2013, 14:22

Ist schon lange her das Thema hier... aber ich finde gerade in diesem Jahr beschäftigen sich sehr viele Menschen mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Für selbständige finde ich eine Berufsunfähigkeitsversicheurng unverzichtbar, da viele Selbständige ja noch nicht einmal eine anständige Rentenversicherung vorweisen können und im Falle eines Leidens, womit eine weitere Ausübung des Berufes ausgeschlossen wird, gar kein Einkommen, bis auf die paar Euro`s vom Staat haben. Das ist sehr, sehr wenig und deshalb gehört eine BU für mich zu der wichtigsten Versicherung direkt nach der Haftpflichtversicherung. Ich habe mich für meine BU damals bei http://www.bu-vergleich-gratis.com beraten lassen. Bin ehrlich gesagt froh das es Leute gibt die sich auch frühzeitig (direkt nach dem Studium wie @dorenbur) bereits um eine solche Absicherung kümmern. Top...
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