Unterschätzte Cadmium-Belastung in Getreide & Gemüse

Unterschätzte Cadmium-Belastung in Getreide & Gemüse

Beitragvon Miriam » Mo 17. Aug 2009, 22:07

Wie das ARD-Politmagazin report MÜNCHEN heute berichtet, ist die Lebensmittelbelastung durch das giftige Schwermetall Cadmium in Deutschland wesentlich gefährlicher als bisher bekannt. Besonders betroffen sind Vegetarier, Schwangere und Jugendliche. Sie nehmen über die Nahrung teils Cadmium-Mengen zu sich, die laut der obersten Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) deutlich über der wöchentlich tolerierbaren Dosis liegen. Denn diese Bevölkerungsgruppen konsumieren besonders viel Getreide und Gemüse, welche am stärksten mit Cadmium kontaminiert sind. Insbesondere Vollkornprodukte sind dabei betroffen.

Auch für die übrige Bevölkerung gibt es keine Entwarnung, denn deren durchschnittliche Belastungswerte liegen schon heute am Toleranzlimit der EFSA. Die Behörde hat den Wert der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge von Cadmium beim Menschen fast um das Dreifache abgesenkt. Denn der menschliche Körper reagiert nach neuer Forschung fast dreimal empfindlicher auf Cadmium als bisher angenommen. Auch die in der Urlaubszeit besonders beliebten Meeresfrüchte sind bisweilen stark mit Cadmium belastet.

Nach Recherchen von report MÜNCHEN haben vor kurzem EU-Lebensmittelkontrolleure beispielsweise in Griechenland extrem kontaminierten Tintenfisch aus dem Verkehr gezogen: Bereits der Verzehr von einer Portion (ca. 200 Gramm) der Tintenfisch-Lieferung führt zu einer 2000-fachen Überschreitung der lauf EFSA tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge. Damit wäre die Dosis Cadmium, die ein Mensch in 40 Lebensjahren maximal zu sich nehmen sollte, bereits mit einer Portion dieses Tintenfisches erreicht.

Das Schwermetall Cadmium hat eine extrem lange Halbwertszeit im menschlichen Körper, schädigt die Niere und kann auch Krebs auslösen. Einer report MÜNCHEN vorliegenden Karte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zufolge sind einige Regionen Deutschlands mit Cadmium in einer Größenordnung belastet, die eine umsichtige landwirtschaftliche Nutzung erfordert. Doch nach Recherchen des ARD-Politmagazins sind sich viele Landwirte über die Problematik noch gar nicht bewusst.

In die Nahrung gelangt das Gift beispielsweise über die Ausbringung von belastetem Klärschlamm und Düngemitteln auf die Äcker. Biokompost ist dabei besonders betroffen. Außerdem sind in Teilen Deutschlands die Ackerböden durch natürliche Ursachen, industrielle Prozesse oder früheren Erzabbau belastet. Vertreter der Lebensmittelindustrie verweisen auf die Einhaltung derzeit gültiger Höchstwerte für Nahrungsmittel. Doch diese sind offenbar so hoch angesetzt, dass sie betroffene Verbraucher kaum schützen. Dies legen die neuen Forschungsergebnisse der EFSA nahe.

Experten fordern daher auch eine Herabsetzung der gesetzlichen Höchstwerte in Lebensmitteln sowie eine Verschärfung der Düngemittelverordnung. Laut Anfrage von report MÜNCHEN nimmt das Bundesumweltministerium (BMU) die Berechnungen der EFSA, „dass der Mensch um fast das Dreifache empfindlicher gegenüber der Aufnahme von Cadmium reagiert als bisher angenommen, sehr ernst.“ Das BMU „sieht Handlungsbedarf“ und arbeitet an der "Herabsetzung bestehender Grenzwerte" und "Cadmiumemissionen".
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Re: Unterschätzte Cadmium-Belastung in Getreide & Gemüse

Beitragvon Helios » Di 18. Aug 2009, 14:59

Ergänzend hierzu:

das Video:
http://www.br-online.de/das-erste/repor ... 000909.xml

und eine Karte über die Cadmium-Gehalte deutscher Böden:
http://www.br-online.de/content/cms/Uni ... 175021.pdf
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